Erst in Mexiko City fiel mir auf, dass ich um 0600 morgens in Madrid ankomme und erst um 1600 nach München weiterfliege. Das war natürlich etwas spät um große Aktionen zu planen. Doof. Nachdem ich die Zeitschriften in MEX gekauft hatte, die mir empfholen worden waren setze ich mich an Internet und versucht modernes social media für mich nutzbar zu machen. Mein kurzer Post auf Facebook lautete: “Wer ist morgen in Madrid?”.

In Madrid angekommen hatte ich erstmal kein Internet. Meine kurze Nacht vor dem Abflug hatte zu leichtem Gehirnversagen geführt, so dass ich meine deutsche SIM Karte im aufgegeben Gepäck hatte. Also musste ich Alternativen finden. Ich fühlte mich leicht nackt als ich am U-Bahn Plan stand und versuchte herauszufinden, wo es in Madrid wohl einen Starbacks geben könnte der W-LAN anbietet. Ich entschloss mich in die Stadt zu fahren und die Hauptstrasse abzulaufen. Leider ohne Erfolg.

Nach einigen Metern kam ich jedoch zu einem VIPS, keine Ahnung was das für ein lokal ist und saß dort vor der Tür bis er um 0800 aufmachte. Ein Frühstück für 2,95 € und kostenloses W-Lan dazu lässt man sich natürlich ungern entgehen. Dort stellte ich dann auch fest, wer in Madrid ist, nämlich eine Freundin von mir. Gott sei Dank gibt es social media kann ich nur sagen. Daran zweifelnd, dass sie meine Vorwarnung von etwa einer halben Stunde empfangen hatte, machte ich mich gleich auf den Weg zu Ihrer Adresse.

Tatsächlich hatte sie Zeit und Lust den Tag mit mir zu verbringen und so schlenderten wir gemütlich durch Madrid und schauten uns zahlreiche Bauten an. Eiscreme und Sonne, dazu ein leichtes Gespräch, es war ein großes Vergnügen. Um die Mittagszeit konnten wir im Retiro, dem großen Park in Madrid, eine Schattenecke finden mit einem Saxofonisten, der quasi für uns spielte während wir auf dem Rasen saßen.

Es war so gemütlich, dass es mir richtig schwer fiel langsam wieder an die Rückkehr zu Flughafen zu denken. Die Disziplin zwang mich dazu noch einen Schinken für meinen Mitbewohner zu kaufen, bevor wir zu ihrer Wohnung zurück kehrten und dort meine Sachen einsammelten. Mir Glückspilz war eine Autofahrt zum Flughafen versprochen worden und so setzte ich mich gemütlich ins Wohnzimmer, während meine Gastgeberin sich aufmachte einen Schlüssel zu suchen. Da ich viele Damen in meiner näheren Umgebung habe, wusste ich, dass dies ein längeres Unterfangen werden könnte. Als sich jedoch nach einer Sucheinheit von zwanzig Minuten und zwei Telefonaten (“Weißt Du wo der Schlüssel ist?”), der Erfolg auf sich warten ließ, begann ich unruhig zu werden.

Auf meine Frage hin wie lange ich denn mit der UBahn brauchen würde, war die Antwort alles außer Taxi könne ich vergessen. Der Sparsamkeit verpflichtet, wollte ich es dennoch probieren und schwang mit in windeseile auf, um zur Metro zu kommen. Zwei mal sollte ich umsteigen, bis ich am Flughafen angekommen war. 10 Minuten vor Boarding Time, allerdings immer noch ohne Gate auf dem Ticket, überlegte ich wo ich wohl hin muss. Die Schlange am Sicherheitscheck war lang, ich hatte aber noch 10 Minuten….

Im Dilemma gefangen stellte ich mich hinten an und wartete. Was für ein Fehler! Schleichend baute sich diese ab, um nicht zu sagen schleichendtissimo. Wartend laß ich mindestens sechsmal den Hinweis: “Boarding ends 15 Minutes prior to departure, if you are not there on time, you will not be admitted”. Um 1600, Boarding Time, war ich endlich dran. Nur der Typ vor mir, verstand nicht, dass man nicht mit Handy durch das Törchen gehen darf. Also hat er es sage und schreibe 3 mal gemacht, bevor ich endlich durchgelassen wurde. 1605 war es, als ich mit dem Gürtel in der linken Hand und einer Tüte mit 2 kg Schinken und Zigaretten in der rechten Hand auf dem Bildschirm das “Boarding” zeichen hinter meinem Flug entdeckte, mit dem Hinweis Puerta K90. Ein kurzer Blick nach rechts verursachte einen solchen Schreck, dass mein Gürtel zu Boden fiel. K – 10 min.

1605 + 10 = 1615 = 15 Minuten prior to departure.

Ohne lange zu zögern, schnappte ich den Gürtel vom Boden auf, suchten den ersten Pfeil Richtung K und rannte los. 10 Minuten, dass schaffe ich locker. Zwei Sprünge über die leicht angeneigten Laufbänder und ich fühlte mich ultra sportlich. Erst als ich am Anfang von K, namentlich bei K1 angekommen war, wurde mir klar, wo das Problem lag. K ist ein einziger Strich von einem Terminal, in dem die Puertas durchnummeriert sind.

Nun muss man sich folgendes vor Augen führen, um zu verstehen, was jetzt passierte. Wir waren in einem tropischen Regensturm der meine Schuhe aufgeweicht hatte. Natürlich wählte ich ein altes Paar für die Reise, dass schon mehrfach mit Patex befestigt worden war. Spätestens in der Mikrowelle hatte sich das Patex aber aufgelöst und zu folgender Situation geführt:

Sowie los sprintete fing die Gummisohle von dem Schuh an mit jedem Schritt wild auf den Boden zu klatschen. Keiner im ganzen Terminal konnte anders, als auf mich aufmerksam zu werden. Mit der Aufmerksamkeit aller – und vor allem nicht nur Männer – auf mich gerichtet, konnte ich nicht anders als die ganze Strecke durch zu sprinten, immer Laut “compermisso” rufend. Die meisten Passagiere konnten einen Teil ihrer Wartezeit also damit verbringen zuzuschauen, wie ein verrückt gewordener Deutscher, mit zwei Kilo Schinken und Zigaretten in einer Plastiktüte und seinem Gürtel in der anderen Hand 90 Gates lang sprintete, während sein Schuh dafür sorgte, dass keine weg schauen konnte.

Als ich außer Atem und mit einem tiefen neuen Verständnis für Bridget Jones um 1614:59 am Gate ankam, standen zu meiner Verzweifelung auch noch eine ganze Reihe mitreisender dort an. Die Eile wäre noch nicht mal nötig gewesen…