Heute ist so viel passiert, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Schon gestern Abend war ich überwältigt von der Stadt Mexiko. Stadt ist eigentlich falsch, auch Metropole reicht nicht. Man müsste Monumenpole sagen. 6 Spuren in beide Richtungen auf den Hauptachsen, wie der Taxifahrer sagt “Prostis” an jeder Ecke, Hochhäuser, massive Sicherheitszäune und eine Mischung aus Gestank und Perfüme.
Das ganze fing eher beschaulich an. Die Gastfreundschaft meiner Gastgeberin reicht bis kurz vor dem Schloss Chapultepec, dass umgeben vom Park Maximilian Habsburg beherbergte während er das mexikanische Reich mit Rückendeckung der Franzosen führte. Schon 20 Jahre bevor Benito Juarez ihm den Kopf abschlug, waren die Amerikaner bis nach Mexiko vormarschiert um sich Colorado, Utah, California, Arizona und Texas zu krallen. Den mutigen jugendlichen die Mexiko verteidigten gelten die z Säulen auf dem ersten Foto.
Die Aussicht im Schloss und der Blick auf die Stadt war umwerfend. Ob man die Berge nicht sehen konnte, weil die Monumenpole bis zum Horizont reicht oder der Smog so dicht war, kann ich nicht einschätzen. Da wir unseren Blutdurst noch nicht befriedigt hatten fuhren wir mit der Metro (richtig – der UBahm) zum Zocalo und besichtigten im Palacio Nacional die Wandgemälde von Diego Riviera. Leider konnten wir keine Einigung darüber erzielen, welche 2 Kriege er wohl oben links und rechts abgebildet hat.
Nach einem kurzen Stoppover in der Kathedrale, und einem Taco reichen Mittagessen in der Nähe fühlten wir uns stark genug für einen Ausflug zu den diversen Banken. Dort verhandelte ich lange über den Wert von Travellers Checks. Bancomer ist der Auffassung Banamex löst die von Visa ein, und Banamex schickt einen zu Bancomer. Ein Hinweis an alle Digital Natives: Forget Travellers Checks, there are definatley no bites and bytes in that – just stick to your credit card.
Als nächstes folgt ein ereignisreicher Besuch bei Telcel. Die waren gegen ein paar Komplimente gerne bereit Formalitäten zu übersehen und mir kurzer Hand die SIM-Karte vom Chef zu verkaufen. Das ich eine Internet Flat brauche war leicht erklärt aber schwer umzusetzen. Zum Glück haben wir es dann doch noch geschafft. Mit diesen letzten administrativen Sachen geklärt, konnten wir uns einer Verabredung widmen. In einem spanisch für Alemanos wurden wir durch das Museo Belle Artes geführt. Dort müssen leider auch guapos jovenes un bolleto kaufen musste ich zu meinem entsetzen feststellen.
Wieder Diego Riviera, dann auf mein drängen aber auch Rene Magritte waren dort zu sehen. Vor allem letztere kennen alle – das Bild kommt in dem alten Dreh von “The Thomas Crown Affair” vor. Es handelt sich um einen Mann im dunklen Mantel mit Krawatte und Melone auf dem Kopf. vor seinem Gesicht ist ein Apfel. Sehr beeindruckend. Vor allem gab es das ein oder andere Element, zum Beispiel eine Dunkelheit spendende Kerze, das kräftig zum Denken anregt.
Nach einem Eis zur Stärkung, denn die 2000 m Höhe merkt man schon, und einem kurzen Abstecher am Palaza de los tres Culturas haben wir uns einen High Tea mit mucho cerveza in der Stadt gegönnt. Zum Schluss des Tages konnten wir nur noch über die Calle Reforma schlendern und ein intensives Gespräch über la Guerra de Narcos (die Drogenkriege) führen.
Offenbar ist das ein viel größeres, strukturreles Problem als es die ausländische Presse darstellt. Mit 500 000 Arbeitsplätzen und geschätzten 40 Milliarden USD Umsatz pro Jahr handelt es sich nicht nur um ein extrem profitables Geschäft, sondern auch um eine Menge Arbeitsplätze. Solange die Regierung keine Alternative für die einfachen Arbeitnehmer stellt, wird sie ihre Null-Toleranz Politik nicht durchsetzen, zumindest so die hiesige Meinung. Der jetzigen President – das versicherte mir meine Gastgeberin – sei ein mehr als anständiger Mensch. Sie würde ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass er keine Korruption duldet. Um so schlimmer sei es, dass er sich an diesem Thema verbrennen wird.
Bemerkenswert fiel mir ins Auge, wie stark in Mexico die Regierung verantwortlich gemacht wird. Alles scheint ihre Aufgabe zu sein. So liebe Leser, jetzt muss ich aufhören, sonst kotze ich noch. Ich schreibe nämlich aus dem Nachtbus erster Klasse nach Oaxaca auf meinem Handy. Und dass führt zu erheblichen Inbehagen, obwohl ich noch so viel zu schreiben hätte.