Druckfrisch komme ich aus dem Kino. Eingestellt war ich auf einen ziemlich harten Abend. Die Süddeutsche im Flugzeug schrieb der Film habe keinen Plot. Außer 42 verschiedenen Kleidern sei nichts zu sehen. Meine Begleitung, Vanessa und Mia bestanden aber darauf, dass wir es uns anschauen. Sie hatten sich schon bei der Premiere des Films von seiner Qualität überzeugt und wollten mich jetzt auch überzeugen. Kann man so ein Angebot ausschlagen?

Auf dem Weg zum Kino trafen wir einen Freund von mir der über dem Kino wohnt. Er bezeugte sofort seinen Respekt, als ich meine Absichten erklärt hatte. Er versicherte mir, ich würde einer der wenigen Männer werden unter hysterischen Frauen – und genau so wurde es auch.

95% des Publikums waren lachende, absolut aufgetakelte Frauen. Als ich in den Kinosaal kam klatschten die Mädchen neben uns “Wow! Ein Mann” – aha, na das kann ja heiter werden, dachte ich.

In den nächsten 2,5 Stunden bot sich mir ein erstaunliches Erlebnis. Lachend, klatschend, ja geradezu engagiert widmeten sich links und rechts von mir die Frauen diesem Film. Und dennoch behält die Süddeutsche Recht: er hat keinen Plot. Das soll er aber auch gar nicht. Er ist viel mehr eine Karikatur unserer Gesellschaft. Modewahn und Sex, vielleicht auch Konsumgeilheit werden so überspitzt dargestellt, dass einem nichts übrig bleibt als zu lachen.

Ergreifend zeichnet er die Leere und Bedeutungslosigkeit einer postmodernen Lebensweise, die sich von jedem Wert entfernt hat. Wie Frauen ohne Familie um Sinn kämpfen und Frauen mit Familie um Freiheit  wird realitätsnah dargestellt. Witze über Jude Law und seine letzte Presse entzogen sich natürlich absolut meinem Verständnis, lösten aber mit leichter Verzögerung doch erhebliche Heiterkeit aus. Die muss auch entstehen, denn würde es nicht lachen wäre das Publikum verlegen.

Der Film erinnert mich an Marie Antoinette. Auch hier stand nicht der Plot im Vordergrund, sondern die Party.

Hätten die Kollegen von der Süddeutschen Zeitung den Titel des Films gelesen, wüssten Sie auch worum es geht: Sex and the City.