Erfahrungsgemäß ist vor allem die Jugend sehr stark Zukunftsorientiert. Aus der Perspektive eines jungen Mannes möchte ich hier einige Überlegungen zu dieser anstellen und überlegen, welche Konsequenzen sich daraus ableiten. Damit möchte ich mich auf einige “Mega-Trends” (um auch mal ein modisches Wort zu verwenden) konzentrieren.

Mega-Trend 1: Verlust von Wertschöpfungspotenzialen aus Raumzeitlichertransformation

In der Betriebswirtschaftslehre geht man davon aus, dass Wert dadurch entsteht, dass Arbeit geleistet wird. Eine Firma verdient etwas, dafür dass sie eine Transformation an einem Objekt durchführt. Folgende Transformationsarten kann es geben (nicht vollumfängliche Liste):

  1. artmäßige (substanzielle) Transformation
  2. räumliche Transformation
  3. zeitliche Transformation
  4. Informationstransformation
  5. Risikotransformation
  6. Finanztransformation

Nehmen wir uns ein konkretes Beispiel für eine räumliche und zeitliche Transformation. Früher wurde zum Beispiel mit Handel von Werkzeugen Geld verdient. Herr Händler kaufte einen Hammer links vom Berg und brachte ihn nach rechts vom Berg. Dort wartete er darauf, dass Herr Handwerker einen Hammer brauchte und verkaufte ihm diesen dann zu einem Aufpreis. Es entstand ein Wert für eine raumzeitliche Transformation.

Heute würde Herr Handwerker nicht zu Herr Händler gehen, sondern sich kurz im Internet umschauen und dann denn Hammer bei Amazon bestellen. Dafür zahlt er zwar den Versand, kommt aber tendenziell günstiger weg als die Leistung von Herrn Händler mit zu bezahlen. Man nehme als Beispiel günstiger.de oder ähnliche Seiten. Es macht überhaupt gar keinen Sinn mehr, vergleichbare Ware (Camcorder, Kameras, Bücher, o.Ä) im Internet zu verkaufen, weil man nie mehr als die Grenzkosten wird verlangen können. Es ist keine Überrendite mehr möglich.

Wer sich versucht diesem Trend zu widersetzen, der schwimmt gegen die Ebbe Richtung Strand. Außer sich zu verausgaben wird er nichts erreichen.

Mega-Trend 2: Globale Nivellierung der Arbeits- und Produktkosten

Nach einem ähnlichen Konzept sind heute viele Leistungen durch moderne Informationstechnologie leicht im Ausland zu erwerben. Billige Flüge, Videokonferenzen, standardisierte Software und Internetflatrates erlauben es Konsumenten (wie auch Unternehmen), Leistungen dort zu beziehen, wo die Unterhaltskosten am geringsten sind, denn dort sind auch die Löhne am geringsten. Ein Münchner Grafikdesigner kann nicht, egal wie gut er ist, so viel Mehrwert liefern, als dass er den Kostenunterschied von 15 000 Euro wettmachen könnte, denn ein Inder als Preisvorteil bietet. Dies führt langfristtig dazu, dass der Münchner solange preiswerter wird (und der Inder so lange teurer) bis die zwei keinen Unterschied bis auf Transaktionskosten mehr haben.

Das ein Münchner für ein in Deutschland tätiges Unternehmen den Vorteil des persönliches Kontaktes bietet, dass wird eben nie mehr als die 1 000 Euro Flugticket nach Indien Wert werden. Denn sonst wäre es immer preiswerter, einen indischen Grafikdesigner für ein paar Tage aus Indien einzufliegen. Warum nicht?

Mega-Trend 3: Kreditwürdigkeit

Aus den vergangenen Jahren der Finanzkrise und dem momentanen Diskussionen um Griechenland lernen wir, dass die Zukunft auf gute Kreditwürdigkeit Wert legen muss. Nachdem was passiert ist, werden in Zukunft Kredite nur an Glaubwürdige Schuldner vergeben, die ein grundlegend solides Geschäftsmodell haben. Auch Staaten werden sich daran gewöhnen müssen, dass sie zukünftig ausgeglichene Haushalte und geringe Schulden haben müssen, weil sie sonst erstens kein Geld mehr bekommen und zweitens ihre Währung wertlos wird.

Mega-Trend 4: Alter- und Leistungsgerechtigkeit

Systeme der sozialen Sicherung können nur solange funktionieren, wie sie bezahlbar sind. Die Überforderung der Jugend (Bachelor) zu Gunsten des Alters (frühere Arbeitseintritt), politische gewollt durch die Mehrheit der Wähler (Rentner) wird systematisch Jugend aus unserem Land verjagen. Wer kann flieht jetzt schon aus den Fängen der sozialen Absicherung ins Ausland oder in die Selbstständigkeit. Gleichzeitig können in einer globalen Welt alle hinreichend intelligenten Personen sich selbst und ihre Zahlungsströme in Leistungsgerechteländer verschieben. Wer das Gefühl hat, dass er nicht genug für sein Geld bekommt geht eben in die Schweiz. Na und? Über Facebook und 19 € inner-europäische Flüge (Ryanair) ist man eh mit seinen Freunden in Kontakt.

Mega-Trend 5: Weg von den Aktienmärkten

Früher hat man investiert auf Basis des von Markowitz entwickelten Konzepts der Risikostreuung. Märkte und einzelne Unternehmen waren unkorreliert. Durch gezielte Streuung konnte man verhältnismäßig sicher eine Rendite erwirtschaften. Heute sieht das anders aus. Im Flash Crash vergangenen Freitag, stürzte die amerikanische Börse zwischen 14:40 Uhr und 15:00 Uhr um 9% ein. Fast zeitgleich folgte der Deutsche Leitindex mit 6,7%. Und was bringt es mir jetzt meine Eier auf verschiedene Körbe aufzuteilen? Die Aktienmärkte der moderne sind super-volatil (VDAX über 40), super-global und eignen sich überhaupt nicht mehr für eine langfristige, wertorientierte Anlage. Zumal man angesichts des Mega-Trends 1 fragen muss, ob Unternehmen in Zukunft überhaupt eine Rendite erwirtschaften können, wenn Sie immer nur zu Grenzkosten verkaufen.

Jetzt fragt man sich natürlich: Unternehmer oder Angestellter? Sicher profitieren die Unternehmen stärker davon als die Angestellten. Meines Erachtens fühlen aber alle, egal auf welcher Ebene langfristig den Druck, asymmetrische Marktleistungen zu schaffen (vgl. “Value-Based Strategies” Brandenburg und Stuart).

Genau genommen muss man über unsere Welt sagen: dankt der Globalisierung etabliert sich eine Verteilungsgerechtigkeit. Alle verdienen soviel, wie ihre Arbeit wert ist. Währungen haben langfristig keinen großen Vorteil gegeneinander und ob Unternehmer oder Angestellter, mehr Geld als für die eigenen Arbeit ist eh nicht zu verdienen. Das ist aber noch sehr weit von dem jetzigen Zustand entfernt. Deshalb spüren wir, wie die Welt sich dahin verändert. Leider müssen wir dabei beobachten, dass wir als reiches westeuropäisches Kollektiv, in Zukunft stark werden abgeben müssen.

Tja, die fetten Jahre sind vorbei.