Im Gespräch mit einem sehr klugen Mann, den ich für seine Tatkraft bewundere fiel neulich ein durchdachtes Zitat. “Gut Ding will Weil haben” sagte er zu mir. Das musste ich mir erstmal durch den Kopf gehen lassen. – Ich gebe zu es hat mehrere Wochen gedauert bis ich drauf kam wie aufregend dieses Zitat eigentlich ist! In unserer Welt des sofortigen Feedbacks, der lückenloses Informationswut und Twitter, da hat keiner mehr Geduld. Alle haben sich daran gewöhnt, das Information und Veränderung sofort zu haben ist.

Ein kleines Beispiel aus der Praxis: Du bist verabredet mit einem Freund auf dem Marienplatz in München oder dem Alexanderplatz in Berlin. Ausgemacht war 13 Uhr. Es ist 12:56 Uhr und Du bist schon da. Anstatt Dir ein Buch zu nehmen und zu warten, weil Du weißt, dass Dein gegenüber kommt, wird sofort dort angerufen. “Ja, ich stehe vor McDonald’s, und wo stehst Du? Ok, ich sehe Dich”. Dann wird wieder aufgelegt. Selbst fünf Minuten scheinen ein Problem zu sein.

So, warum dieser Absatz über das telefonieren? Mir ist es egal wer wie telefoniert, es ging nur darum ein handgreifliches Beispiel für sofortige Rückmeldung zu geben.  Nach 7 Monaten fangen andere an meinen Blog weiter zu empfehlen. Ich werde bei zahlreichen Gelegenheiten darauf angesprochen, der “Teilen” Knopf wird tatsächlich verwendet und ich bekomme Fanpost. Wie abgefahren ist das eigentlich? Nie hätte ich mir am 29. Mai 2009, als ich meinen ersten Eintrag geschrieben habe gedachte, dass ich es so lange aushalte. Allerdings fängt es jetzt erst richtig an Spaß zu machen.

Warum Spaß machen? Für gewöhnlich schreibe ich, weil es mir hilft und es meine Gedanken sortiert. Mit den zahlreichen Kommentaren, teilweise von wild fremden, entwickelt sich eine Art Dialog. Ab und zu wird etwas zu meinem Blog gesagt. Von wem? Wo? Wann? Warum? Keine Ahnung, noch ist es zu wenig um eine Systematik zu erkennen. Aber es kommt. Das ist natürlich viel aufregender, als wenn man nur für sich selbst schreibt.

Es scheint mir, dass diese Regel “Gut Ding will Weil haben” viel wesentlicher für die Grundstruktur unserer Welt ist als wir es uns vorstellen. Nicht nur mein Blog verhält sich so, sondern auch die Entwicklung der Ausdauer, die beliebte Diät, das Aufbauen einer Firma oder eines Vereins. Alles was Hand und Fuß haben will muss wachsen und muss auch die Zeit dafür in Anspruch nehmen. Natürlich kann es auch schneller wachsen als gedacht, aber dann muss man sich fragen, wie solid das ist.

Diesen kritischen Ansatz am Beispiel Diät durchdiskutiert in Kürze: Sagen wir man hört 14 Tage auf zu essen. Dann nimmt man ab und mit Sicherheit auch schnell. Wer allerdings nicht seine Essgewohnheiten grundlegend ändert (und das ist kaum in 14 Tagen zu bewerkstelligen), der wird sich zügig wieder bei seinem alten Gewicht finden. Ein Lieblingssatz von meinem Freund Covey mal wieder “You can’t talk yourself out of something you behaved yourself into”. Wie Recht er hat!

Da das meiste was wir uns zu Herzen nehmen und als “Ding” bezeichnen entweder vom Menschen gemacht oder durch Menschen entsteht, behaupte ich sind es auch die Menschen die sich ändern müssen damit die Dinge sich ändern. Und das kann bekanntlich lange dauern.

In diesem Sinne, fröhliches teilen euch allen!