Zu meinem letzten Geburtstag schenkte mir meine jüngere Schwester ein Büchlein. “Briefe über ästhetische Erziehung” von Friedrich Schiller, erschienen 1946 im Aufbau-Verlag in Berlin. Bisher lag es auf meinem Fensterbrett herum und wartete darauf gelesen zu werden, was ich in diesen Tagen getan habe. Meine Motivation dazu rührt vor allem aus meiner Lektüre von der “Stilkunst” Ludwig Reiners, der Schiller häufig als Beispiel anführt.

Die Einleitung zum Briefwechsel von Wolfgang Goetz brachte dabei eine heitere Erkenntnis. Schiller war in Wirklichkeit ein Werbe-Blogger! Warum? In der Zeit seiner Professur in Jena, für die er nicht bezahlt wurde, lebte er in miserablen Verhältnissen. Es entschied sich der Herzog von Schleswig-Holstein ihm eine 1 000 Taler starke Rente zu zahlen. Das kommt daher, dass der Herzog für die französische Revolution war und Schiller als gleichgesinnten ansah. Im Gegenzug versprach Schiller Briefe für ihn zu schreiben.

Diese Briefe waren weniger private Briefe, wie wir sie heute verstehen würden. Ganz im Gegenteil. Die Briefe Schiller’s an den Herzog waren zur Veröffentlichung gedacht und sollten zur politischen Erziehung im Sinne des Herzogs beitragen. Schiller wurde dafür bezahlt, Briefe an den Herzog zu schreiben, die Werbung für ihre gemeinsame Sache machen. Eben was wir heute einen Werbe-Blogger nennen würden.

“Man ist ebensogut Zeitbürger, wie man Staatsbürger ist; und wenn es unschicklich, ja unerlaubt gefunden wird, sich von den Sitten und Gewohnheiten des Zirkels, in dem man lebt, auszuschließen, warum sollte es weniger Pflicht sein, in der Wahl seines Wirkens dem Bedürfnis und dem Geschmack des Jahrhunderts eine Stimme einzuräumen?” ist ein Satz aus dem zweiten Abschnitt des zweiten Briefes. Selbstverständlich ist das beispielhaft für einen persönlichen Brief zwischen zwei Individuuen. Was sollte man sich denn sonst schreiben? Doch nicht etwa wie es einem geht oder was man erlebt hat.

Schiller selbst schrieb dazu an einen Freund “… ich werde sie [die Zergliederung über Ästhetik] in Briefen an den Prinzen von Augustenburg abhandeln, mit dem ich jetzt schon über diese Materie korrespondiere. Ich bin ihm einen öffentlichen Beweis von Aufmerksamkeit schuldig und weiß, daß er nicht unempfindlich dagegen ist.” Das ist eine sehr schöne Art zum Ausdruck zu bringen, dass man dafür bezahlt wird Briefe zu schreiben!

Offenbar ist, was heute als große Innovation gefeiert wird, das Werbe-Bloggen (z.B. mit Trigami) schon lange Usus.