Am nächsten Tag erwachten wir um eine Landschaft zu erblicken, die wir nur von der Marlboro Werbung kennen. Umfangen von U-förmigen Bergen liegt das Farmhaus in einem Kessel ähnlichen Tal. Obwohl die Sonne schien und und keine einzige Wolke zu sehen war, muss die Temperatur sicher unter null gewesen sein, denn die kleine Pfütze im ausgelassenen Schwimmbad war gefroren.

Erster Eindruck der Karoo

Nach dem Frühstück nahmen wir unsere Ausrüstung und bestiegen die vorbereiteten Pickups um ins Meer der Steine zu stechen, von dem wir umgeben waren. Aus dem U-förmigen Kessel herausfahrend nahm ich die Gelegenheit wahr mein Afrikaans zu üben. Bis zum Feldlager der Jagd erfuhr ich, dass mein Fahrer Petrus heißt und wir ins Revier links gefahren seien. Aha.

Von dort aus war es ein ständiges Gucken und Beobachten, dass unseren Weg bestimmte. Auf der Ladefläche fahrend, versuchte ich zu sehen, was unser Führer ankündigte, aber musste feststellen, dass ich selbst mit hervorragender Optik nichts sah. Beim vierten Versuch und sicherlich der zwölften Erklärung erkannte ich endlich einen weißen Strich in der Landschaft – ein Springbock wie mir versichert wurde.

Unser Führer trekkt durch die Wüste

Eines der Erkenntnisse dieser Tage: In Afrika bedeutet Jagd, dass jeder Sprung Springböcke schon auf 500 m zu sehen ist. Aber auch die Jäger werden soweit wahrgenommen. Da für viele Kilometer kein einziger Baum sichtbar war, gab es außer dem gelegentlichen, größeren Stein keine Deckung. Es ist, als würde man Fangen spielen mit dem Wild. Jeder sieht jeden, und dennoch muss man auf etwa 200 m heran kommen. Das klingt weit, ist aber für hiesige Verhältnisse ausgesprochen normal. Ein Schuss auf 100 m ist wie ein Sechser im Lotto.

Der ganze Tag besteht daraus, mit seiner Waffe und Fernglass „Trekks“ auf sich zu nehmen. Dabei nutzten wir die natürlichen Hügel der Umgebung aus, um im Sichtschatten heran zu pirschen. Mit pochendem Herz am Kam einer Erhöhung angekommen sucht man entweder einen Termitenhügel oder eine großen Stein um in den Anschlag zu gehen. Mit entsicherter Waffe verbringt man oft mehr als 5 Minuten im Anschlag mit dem Absehen auf ein angesprochenen Bock gerichtet und wartet bis er frei vom Sprung und breit steht. Sobald man einen unerträglichen Krampf im Nacken oder im Po hat – vom zusammengekauerten hocken auf einer Steinkante – kommt meistens der entscheidende Moment.

Entweder die Tiere weiter ziehen, dann geht der Trekk erneut los in der Hoffnung, dass man beim nächsten Versuch eine Schussgelegenheit bekommt. Oder es fällt der Schuss, Sand wirbelt auf und der Sprung reißt energisch aus. Liegt das Tier nicht sofort, hat man ein unangenehm großes Problem. Der zweite Schuss kann selten angebracht werden, weil durch den Sand nicht mehr erkennbar ist, welches Tier angeschossen wurde. Außerdem hegt die Herde die seltsame Gewohnheit verwundete Tiere in ihre Mitte zu stellen, als ob sie bewusst geschützt würden. Damit werden gute Schussmöglichkeiten rar und die Belastung des Jägers steigt.